Klinik für diagnostische und interventionelle
Radiologie und Nuklearmedizin

Chefarzt Prof. Dr. Matthias Bollow
Augusta-Kranken-Anstalt gGmbH
Bergstraße 26 - 44791 Bochum
Tel.: 0234 / 517-2753

CT- u. DL-gesteuerte Vertebroplastie / Sakroplastie Behandlung von Knochenscherzen durch eine Vertebroplastie oder Sakroplastie

Was ist eine Vertebroplastie?

Die Vertebroplastie ist ein unter lokaler Betäubung angewendetes radiologisches Verfahren zur Behandlung von Knochenschmerzen und zur Stabilisierung von Wirbelkörperfrakturen. Dieses Verfahren kann sowohl bei gutartigen (osteoporotische Wirbelkörperbrüche, schmerzhafte Blutschwämme (Hämangiome) der Wirbekörper) als auch bei bösartigen Erkrankungen der Wirbelsäule (z.B. Metastasen oder Plasmozytomherden) eingesetzt werden. Ziel dieser Behandlungsmethode ist eine Stabilisierung des betroffenen Knochens und eine deutliche Schmerzreduktion. Der zur Schmerzbehandlung von gutartigen und bösartigen Knochenläsionen verwendete Knochenzement (Polymethylmethacrylat, PMMA) wird kombiniert computertomographisch- und durchleuchtungs-gesteuert eingebracht (Abb. 2.1.). Was ist eine Sakroplastie? Die Sakroplastie ist ein aus der Vertebroplastie abgeleitetes schmerztherapeutisches radiologische Verfahren, in welcher unter lokaler Betäubung in das Kreuzbein (Sakrum) Knochenzement zur Behandlung von Knochenschmerzen und zur Stabilisierung von Frakturen eingebracht wird (Abb. 2.2.). Wie wirken die Zementeinbringungen im Rahmen der Vertebo- oder Sakroplastie? Sowohl Patienten mit fortgeschrittener Osteoporose als auch Patienten mit tumorbedingten Knochendestruktionen leiden sowohl unter den durch kleinste Brüche (Mikrofrakturen) der Knochenbälkchen (Spongiosa) bedingten Knochenmarkentzündungen (sog. Osteitiden) bzw. den durch Einbrüche an der äußeren Knochenbegrenzung (der sog. Kompakta) hervorgerufenen Reizungen an der Knochenhaut (dem sog. Periost). Dabei werden die schmerzlindernden Wirkungen der Vertebro- bzw. Sakroplastie einerseits durch Stabilisierungen der osteoporotisch oder tumorös veränderten Wirbelkörper durch den von außen eingebrachten Zement erklärt. Der schmerzlindernde, sog. analgetische Effekt wird jedoch überwiegend durch die entstehende Hitze bei der Zementaushärtung (sog. Polymerisationshitze) erklärt: Die während der Aushärtung entstehenden Temperaturen von über 80 Grad Celsius (welche von den Patienten selbst nicht gespürt werden!) führen über eine Eiweißzerstörung (Proteindenaturierung) zum partiellen Untergang von Tumorgewebe und den die Schmerzen verursachenden Nervenfasern. Da die Vertebro- und Sakroplastie allein zwar die Schmerzen deutliche reduzieren können, jedoch keine effektive Tumorzerstörung an Wirbelkörpern und Kreuzbein bewirken können, müssen diese Verfahren bei Tumorpatienten mit einer anschließenden Strahlentherapie kombiniert werden. Wie wird die Indikation zur Vertebroplastie gestellt? Jede Vertebroplastie/Sakroplastie setzt eine ausführliche Erhebung der Krankengeschichte (Anamnese) des Patienten voraus. Alle bereits erhobenen Befunde müssen kritisch im Hinblick auf die Indikationsstellung und auf das Vorliegen möglicher Kontraindikationen hin überprüft werden. Zur sicheren diagnostischen Abklärung eines betroffenen Wirbelkörpers ist neben einer Röntgenübersicht die Durchführung einer Schnittbilddiagnostik unumgänglich. Hierbei sollte auf jeden Fall eine CT und/oder MRT des betroffenen, schmerzhaften Wirbelsäulenabschnitts durchgeführt werden. Die Indikationsstellung sollte durch den Arzt erfolgen, der die Vertebroplastie später dann auch durchführt. Besonderes Augenmerk sollte dabei auf Einnahme von blutgerinnungshemmenden Medikamenten (Marcumar, Clexane, Aspirin etc.), bekannte allergische Reaktionen und den Gerinnungsstatus (Quick, PTT und Thrombozystenzahl) gelegt werden. Die Vertebroplastie/Sakroplastie wird unter stationären Bedinungen in unserem Hause durchgeführt (weitere Informationen erhalten Sie im Sekretariat; Tel. 0234 517 2751). Wann ist die Vertebroplastie/Sakroplastie indiziert? Indikationen für eine perkutane Vertebroplastie/Sakroplastie umfassen sowohl benigne (z.B. Osteoporose, Hämangiom) als auch maligne (z.B. Myelombefall, osteolytische Metastasen) Veränderungen der Wirbelsäule und des Kreuzbeines. Eine der Hauptindikationen ist das Vorliegen schmerzhafter, osteoporotischer Frakturen (Brüche) (Abb. 2.1./Abb. 2.3.), deren konservative Therapie entweder gescheitert ist, bzw. der konservative Therapieansatz keine wesentliche Schmerzerleichterung für den Patienten gebracht hat. Ein Scheitern der konservativen Therapie liegt im Regelfall dann vor, wenn sich nach einem angemessenen Zeitraum der medikamentösen Therapie die Schmerzsymptomatik des Patienten nicht deutlich gebessert hat oder die Dosierung der Analgetika zu störenden Nebenwirkungen wie Sedation, Verwirrtheit oder ähnlichen - durch hohe Dosierungen von morphinähnlichen Analgetika bedingten - Nebenwirkungen geführt haben. Es können bis zu maximal drei gebrochene Wirbelkörper problemlos während einer Sitzung therapiert werden. Eine seltenere Indikation zur Durchführung einer perkutanen Vertebroplastie sind nicht-osteoporotische, akut-traumatisch, nicht-dislozierte Frakturen, die meist konservativ behandelt werden und keine Indikation zur offenen operativen Therapie darstellen. Auch das Vorliegen einer Wirbelkörperfraktur, ausgehend von einer Osteonekrose des betroffenen Wirbels (Kümmell-Syndrom) oder chronische Frakturen ohne knöcherne Heilung oder Zystenbildung können in Einzelfällen mit einer Vertebroplastie behandelt werden. Desweiteren kann bei einem interdisziplinären Behandlungskonzept eine adjuvante peri- oder intraoperative Stabilisierung mittels Vertebroplastie im Rahmen operativ stabilisierender Maßnahmen durchgeführt werden. Weitere häufige Indikationen sind schmerzhafte Osteolysen bei bösartigen Tumoren (Plasmozytom, Metastasen) sein (Abb. 2.2./Abb. 2.4.), bei denen die perkutane Vertebroplastie/Sakroplastie im Rahmen eines fächerübergreifenden Therapiekonzepts (Bestrahlung, chemotherapeutische Behandlung) oder weiterer minimal-invasiver Therapien (Thermoablation, transarterieller Tumorembolisation) eingesetzt werden kann. Abb. 2.1. a-h. Bildmorphologie sowie CT- und DL-gesteuerte Vertebroplastie einer osteoporotischen schmerzhaften Wirbelköperfraktur (Keil- bis Plattwirbelbildung) von BWK 7 mit Hinterkantenbeteiligung ohne Einbruch in den Spinalkanal a) T1-gewichtete sagittale MRT b) T2-gewichtete sagittale MRT c) Sagittale CT-Rekonstruktionen d - e) CT-gesteuerte transartikuläre Vertebroplastie mit günstiger Zementverteilung im gebrochenen Wirbelkörper f) sagittale CT-Rekonstrukion nach Vertebroplastie

T1-gewichtete sagittale MRT   T2-gewichtete sagittale MRT   Sagittale CT-Rekonstruktionen
T1-gewichtete sagittale MRT   T2-gewichtete sagittale MRT   Sagittale CT-Rekonstruktionen

CT-gesteuerte transartikuläre Vertebroplastie mit günstiger Zementverteilung im gebrochenen Wirbelkörper   CT-gesteuerte transartikuläre Vertebroplastie mit günstiger Zementverteilung im gebrochenen Wirbelkörper    sagittale CT-Rekonstrukion nach Vertebroplastie
Abb. 2.1.d   Abb. 2.1.e   Abb. 2.1.f

    
Abb. 2.1.g   Abb. 2.1.h   Abb. 2.1.i

Abb. 2.2. a-h. Bildmorphologie und CT- und DL-gesteuerte Vertebroplastie einer plasmozytombedingten schmerzhaften Osteolyse mit pathologischer instabiler Fraktur von BWK 6, welche bereits partiell in den Spinalkanal eingebrochen war. Ziel der Vertebroplastie war eine Schmerzreduktion und partielle Stabilisierung vor geplanter Strahlentherapie: a) T2-gewichtete MRT der HWS/BWS mit Darstellung einer Fraktur der Wirbelkörperdeckplatte von BWK 6 und einer Dorsalverlagerung der Wirbelkörperhinterkante in den Spinalkanal b) Sagittale Rekonstruktion einer Wirbelsäulen-CT mit Nachweis einer Osteolyse von BWK 6 mit Destruktionen der Wirbelkörperdeckplatte und der WK-Hinterkante c) Transversale Schicht durch BWK 6 in einer T2-gew. Gradientenechosequenz und in der CT mit Abbildung des die Wirbelkörperhinterkante pentrierenden Tumors und der pathologischen Frakturen der Bogenwurzeln d-e) Transartikulärer Zugang zur Wirbelkörper-Osteolyse von rechts f) Zufriedenstellende Zementverteilung in der Osteolyse ohne weitere Dislokation von Wirbelkörperfragmenten in den Spinalkanal g-h) Parallele Durchleuchtung der Zielregion während der Vertebroplastie mittels C-Bogen am CT zur gesteuerten Zementeinbringung in den Wirbelkörper unter "Real-Time-Bedinungen". Der Patient war nach der Behandlung sofort schmerzfrei, so dass die anschließende Strahlentherapie unkompliziert durchgeführt werden konnte.

T2-gewichtete MRT der HWS/BWS mit
Darstellung einer Fraktur der Wirbelkörperdeckplatte von BWK 6 und einer Dorsalverlagerung der Wirbelkörperhinterkante in den
Spinalkanal   Sagittale Rekonstruktion einer Wirbelsäulen-CT mit Nachweis einer Osteolyse von BWK 6 mit Destruktionen der
Wirbelkörperdeckplatte und der WK-Hinterkante    Transversale Schicht durch BWK 6 in einer T2-gew. Gradientenechosequenz und
in der CT mit Abbildung des die Wirbelkörperhinterkante penetrierenden Tumors und der pathologischen Frakturen der Bogenwurzeln
Abb. 2.2. a   Abb. 2.2. b   Abb. 2.2. c

Transartikulärer Zugang zur Wirbelkörper-Osteolyse von rechts   Transartikulärer Zugang zur Wirbelkörper-Osteolyse von rechts   Zufriedenstellende Zementverteilung in der Osteolyse ohne weitere Dislokation von Wirbelkörperfragmenten in den Spinalkanal
Abb. 2.2. d   Abb. 2.2. e   Abb. 2.2. f

Parallele Durchleuchtung der Zielregion während der Vertebroplastie mittels C-Bogen am CT zur gesteuerten Zementeinbringung in den Wirbelkörper unter Real-Time-Bedinungen   Parallele Durchleuchtung der Zielregion während der Vertebroplastie mittels C-Bogen am CT zur gesteuerten Zementeinbringung in den Wirbelkörper unter Real-Time-Bedinungen
Abb. 2.2. g   Abb. 2.2. h

Abb. 2.3. a-c. Sakroplastie einer schmerzhaften subakuten Insuffizienzfraktur des rechten Kreuzbeinflügels unter lokaler Anästhesie mit sofortiger Schmerzreduktion nach Einbringen des Kochenzementes.

Sakroplastie einer schmerzhaften subakuten Insuffizienzfraktur des rechten Kreuzbeinflügels unter lokaler Anästhesie mit sofortiger Schmerzreduktion nach Einbringen des Kochenzementes   Sakroplastie einer schmerzhaften subakuten Insuffizienzfraktur des rechten Kreuzbeinflügels unter lokaler Anästhesie mit sofortiger Schmerzreduktion nach Einbringen des Kochenzementes   Sakroplastie einer schmerzhaften subakuten Insuffizienzfraktur des rechten Kreuzbeinflügels unter lokaler Anästhesie mit sofortiger Schmerzreduktion nach Einbringen des Kochenzementes
Abb. 2.3. a   Abb. 2.3. b   Abb. 2.3. c

Abb. 2.4. a-c. Sakroplastie einer schmerzhaften Metastase eines Mammakarzinoms unter lokaler Anästhesie mit sofortiger Schmerzreduktion nach Einbringen des Kochenzementes. Diese Metastase wurde im Anschluss nachbestrahlt.

Sakroplastie einer schmerzhaften Metastase eines Mammakarzinoms unter lokaler Anästhesie mit sofortiger Schmerzreduktion nach Einbringen des Kochenzementes   Sakroplastie einer schmerzhaften Metastase eines Mammakarzinoms unter lokaler Anästhesie mit sofortiger Schmerzreduktion nach Einbringen des Kochenzementes   Sakroplastie einer schmerzhaften Metastase eines Mammakarzinoms unter lokaler Anästhesie mit sofortiger Schmerzreduktion nach Einbringen des Kochenzementes
Abb. 2.4. a   Abb. 2.4. b   Abb. 2.4. c